Recyclingkosten-Rechner für Solarmodule
Berechnen Sie die Kosten für das Recycling ausgemusterter Solarmodule in Deutschland nach ElektroG. Inklusive PV CYCLE Rücknahme, Transport und Materialerlösen.
Recyclingkosten-Rechner für Solarmodule
So nutzen Sie den Rechner
Sieben Eingaben liefern Gesamtmasse, Brutto-Recyclingkosten, Materialerlöse, Netto-Recyclingkosten, das Vergleichsszenario Deponie, den Aufpreis für Recycling und die Kosten pro Kilogramm:
- Anzahl der Module — wie viele Module werden ausgemustert?
- Masse pro Modul (kg) — typische monokristalline Module wiegen 19–22 kg; bifaziale Glas-Glas-Module 23–26 kg.
- Annahmegebühr Recycling pro Modul (€) — Gebühr bei der Erstbehandlungsanlage. PV CYCLE-pflichtige Module: 0 €; sonst 8–14 €.
- Deponiegebühr pro Modul (€) — illegal nach ElektroG, nur zum Vergleich. Bauschutt-Deponiegebühren liegen 2026 bei 80–140 €/Tonne.
- Materialrückgewinnung pro Modul (€) — Erlöse für Glaskullet, Aluminium, Kupfer. Deutsche Anlagen zahlen 4–7 € je Modul zu Spotpreisen 2026.
- Transportkosten pro Fuhre (€) — 120–200 € pro 18-Modul-Palette innerhalb Bundeslandsgrenze; 250–400 € deutschlandweit.
- Module pro Fuhre — ca. 18 Module pro Standardpalette, 240–280 pro 13,6 m-Sattelauflieger.
Warum Solarrecycling in Deutschland zunehmend wichtig wird
Deutschland hat zwischen 2000 und 2014 unter dem EEG etwa 38 GW Photovoltaikleistung installiert — die mit Abstand größte Frühphasenflotte weltweit. Die ersten 25-Jahres-Modulgarantien laufen 2025 aus, und der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) erwartet bis 2030 jährliche End-of-Life-Mengen von 50.000 Tonnen und bis 2040 von 400.000 Tonnen. Das Fraunhofer ISE PV-Recycling-Roadmap 2024 prognostiziert, dass Deutschland bis 2030 mindestens drei großtechnische Recyclinganlagen mit Silizium- und Silberrückgewinnung benötigt.
Zusätzlich gibt es einen Sturm-Ersatzzyklus: Sturmtief Sabine (Februar 2020) beschädigte etwa 18.000 Dachanlagen, von denen 40 % komplett ersetzt werden mussten. Die meisten dieser Module wurden nicht über dokumentierte ElektroG-Kanäle entsorgt, wie BSW-Solar 2023 anhand stiftung-ear-Daten zeigte.
Deutsche Recycling-Infrastruktur 2026
Die zertifizierten Erstbehandlungsanlagen für PV-Module in Deutschland (Stand 2026):
| Anlage | Standort | Kapazität (Module/Jahr) | Verfahren |
|---|---|---|---|
| Reiling Glas Recycling | Marienfeld + Hamm | ~600.000 | Mechanisch + Glaskullet |
| Geltz Umwelt-Technologie | Münsingen | ~200.000 | Mechanisch + Sortierung |
| Loacker Recycling | Wertingen | ~150.000 | Mechanisch (gemischte WEEE-Linie) |
| Veolia Umweltservice | mehrere Standorte | ~250.000 | Mechanisch (gemischte WEEE-Linie) |
| Fraunhofer ISE Pilotanlage | Freiburg | ~15.000 | Chemisch (Si/Ag-Rückgewinnung) |
| Solitas Recycling | Magdeburg | ~80.000 | Mechanisch |
Die deutsche Gesamtkapazität liegt bei rund 1,3 Millionen Modulen pro Jahr — deutlich über dem aktuellen Aufkommen von ~400.000, aber bereits eingeplant für den prognostizierten 2,5-Millionen-Anstieg ab 2030. Die Reiling Hamm Erweiterung 2026 wird die chemische Silizium-Rückgewinnung großtechnisch erstmals außerhalb des Pilotmaßstabs verfügbar machen.
Was die Annahmegebühr ausmacht
Die 8–14 € pro Modul bei einer deutschen Erstbehandlungsanlage setzen sich grob zusammen aus:
- Wareneingang + ElektroG-Nachweis: 1–2 €
- Demontage Rahmen + Kabel: 2–3 €
- Schreddern + Sortierung (magnetisch, Wirbelstrom, optisch): 3–4 €
- Verkauf Aluminiumrahmen: −2 € bis −3 € (Erlös)
- Verkauf Glaskullet: −0,5 € bis −1 € (Erlös)
- Reststoff zur SAV-Deponie: 1–2 €
- Marge + Overhead: 3–5 €
Chemische Anlagen (Reiling Hamm ab 2026) erhöhen die Materialerlöse auf 8–10 € pro Modul und reduzieren die Netto-Annahmegebühr auf 0–3 €.
Wann sich Recycling vs Deponie rechnet
Da Deponierung in Deutschland nach ElektroG verboten ist, ist der Vergleich rein akademisch. Bei einem typischen 18-Modul-Hausanlagen-Rückbau:
- Netto-Recyclingkosten bei Reiling: 18 × 8 € + 150 € Transport − 18 × 5 € = 204 €
- Hypothetische Netto-Deponiekosten: 18 × 3 € + 150 € = 204 €
- Aufpreis Recycling: 0 €
Das ElektroG-Deponieverbot zusammen mit der PV-CYCLE-Vorabfinanzierung macht das Recycling in Deutschland praktisch kostenneutral gegenüber der (illegalen) Deponierung. Wo PV CYCLE greift (Annahmegebühr = 0), zahlt der Endverbraucher nur den Transport von 150 € — günstiger als jede legale Alternative.
Regulatorischer Rahmen
- ElektroG (Elektro- und Elektronikgerätegesetz 2015, novelliert 2022) — § 3 Anhang 1 Kategorie 4 erfasst PV-Module. Hersteller registrieren bei stiftung ear und finanzieren die Rücknahme.
- stiftung ear — gemeinsame Stelle der Hersteller, führt das Herstellerregister und das Sammelstellenverzeichnis.
- VDE-AR-N 4105 / VDE-AR-N 4110 — Netztechnik-Regelwerk, verweist auf ElektroG für End-of-Life-Behandlung.
- PV CYCLE Deutschland — freiwilliges Rücknahmesystem, deckt ~75 % der deutschen Module ab.
- BSW-Solar Leitfaden Rückbau — Branchenleitfaden für Demontage und Recycling.
- KrWG (Kreislaufwirtschaftsgesetz) — übergeordnetes Abfallrecht, Vorrang der Kreislaufwirtschaft.
So senken Sie die Kosten
Prüfen Sie die PV CYCLE-Pflicht
Tragen Ihre Module einen PV-CYCLE-Aufkleber oder ein Q CELLS / REC / Trina / LONGi-Tier-1-Label, ist die Annahmegebühr bereits über den Großhandelspreis bezahlt. Sie zahlen nur den Transport.
Nutzen Sie kommunale Sammelstellen
Wertstoffhöfe nehmen bis 20 Module pro Anlieferung kostenfrei an (Haushaltsmengen). Für größere Mengen ist eine Direktanlieferung an Reiling, Geltz oder Loacker mit Wirtschaftsmengen-Rabatt günstiger.
Sammelbestellungen
Eine 18-Modul-Hausanlage kostet 150 € Transport. Vier Nachbarn zusammen (72 Module, 1 Fuhre) sparen 40 % je Modul auf Transport.
Garantieabwicklung über den Hersteller
REC, Q CELLS, Maxeon SunPower, Trina, Meyer Burger und Solarwatt bieten in ihren 2024er-Garantien kostenfreie Rücknahme am Lebensende. Meyer Burger und Solarwatt als deutsche Hersteller garantieren explizit Inland-Rücknahme.
Was der Rechner annimmt
- Die Annahmegebühr pro Modul ist ein Festwert; PV CYCLE-Pflicht muss manuell durch Setzen auf 0 € berücksichtigt werden.
- Der Transport skaliert mit der Fuhrenanzahl (Module ÷ Kapazität, aufgerundet).
- Materialerlöse werden von der Bruttogebühr abgezogen.
- Das Deponieszenario verwendet denselben Transport.
- Kein Bußgeld modelliert; Deponierung ist nach ElektroG illegal und kann mit bis zu 100.000 € geahndet werden.
Häufige Fehler
- Module in den Bauschuttcontainer. Verstoß gegen ElektroG § 4 mit Bußgeld bis 100.000 €. Container-Betreiber haben Sortierungspflicht.
- Annahme, der Installateur kümmere sich. Die meisten Installateurverträge schließen Entsorgung am Lebensende aus. Der Anlagenbetreiber zahlt.
- PV CYCLE-Aufkleber übersehen. Das spart 8–14 € pro Modul — prüfen Sie die Modulrückseite vor der Rückgabe.
- Wechselrichter und Verkabelung vergessen. Wechselrichter fallen ebenfalls unter ElektroG; Kupferkabel haben Schrottwert von 6–8 €/kg.
Quellen
- ElektroG (Elektro- und Elektronikgerätegesetz) — Gesetzestext
- stiftung ear — Sammelstellenverzeichnis — kommunale Sammelstellen
- PV CYCLE Deutschland — Rücknahmesystem — Hersteller-Rücknahme
- BSW-Solar — Leitfaden Rückbau & Recycling 2024 — Branchenleitfaden
- Fraunhofer ISE — PV-Recycling Roadmap 2024 — Forschungspilotanlage
- Reiling Glas Recycling — Annahmegebühren 2026 — Anlagenbetreiberpreise