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Agri-PV-Ertragsrechner

Kombinierter Ertrag aus PV-Anlage und Kultur auf einer Fläche berechnen. Kostenloser Rechner mit Fraunhofer ISE-Daten und Land-Äquivalenz-Verhältnis.

Agri-PV-Ertragsrechner

Installierte PV-Leistung
370 kW
Jahresertrag
313.485 kWh
PV-Erlös / Jahr
100.315 €
Ernteerhalt
88%
Kulturerlös / Jahr
5.632 €
Gesamterlös / Jahr
105.947 €
Gesamterlös / Jahr pro Hektar
52.974 €
Land-Äquivalenz-Verhältnis
1,88

So nutzen Sie den Rechner

Geben Sie sieben Werte ein. Der Rechner liefert die installierte PV-Leistung, den Jahresertrag in kWh, den PV-Erlös, den prozentualen Ernteerhalt, den Kulturerlös, den Gesamterlös pro Hektar und das Land-Äquivalenz-Verhältnis:

  1. Fläche (Hektar) — nur die für Doppelnutzung vorgesehene Fläche, nicht der gesamte Betrieb.
  2. Bodendeckungsgrad (%) — Anteil der Fläche, die von Modulen überdeckt ist. Typisch für Agri-PV: 25–45 Prozent; klassische Freiflächenanlage: 60–80 Prozent.
  3. Sonnenstunden pro Tag — regionaler Jahresdurchschnitt. Hamburg 2,6; Berlin 2,8; München 3,0; Freiburg 3,1.
  4. Systemwirkungsgrad (%) — Derate-Faktor. Standardwert nach VDE-AR-N 4105: 80 Prozent.
  5. Strompreis (€/kWh) — für Eigenverbrauch der Haushaltstarif (etwa 35 Cent); für Einspeisung der EEG-Tarif (8,3–10,5 Cent für besondere Solaranlagen).
  6. Kulturtyp — schattenverträglich (Salat, Beeren, Kräuter), mittel (Kartoffeln, Sellerie, Weidegras), empfindlich (Weizen, Mais, Sonnenblume).
  7. Basis-Kulturerlös (€/ha) — Bruttoertrag der Fläche vor Installation der Agri-PV. Daten aus dem Statistischen Jahrbuch über Ernährung, Landwirtschaft und Forsten oder aus der Landwirtschaftlichen Buchführung sind belastbare Ausgangswerte.

Die Berechnung kombiniert PV-Physik aus ersten Prinzipien mit empirisch ermittelten Beschattungs-Toleranzkurven aus dem Fraunhofer-ISE-APV-RESOLA-Datensatz.

Warum Agri-PV in Deutschland jetzt aufholt

Bis 2022 war Agri-PV in Deutschland eine Forschungsfrage. Drei Entwicklungen haben das geändert.

Erstens hat das EEG 2023 die Sonderkategorie besondere Solaranlagen eingeführt, in der Agri-PV explizit förderfähig ist. Das Solarpaket 1 vom Mai 2024 erweiterte das Bundesfachprogramm und brachte erstmals einen verbindlichen Förderpfad für Anlagen bis 1 MW unter dem festen EEG-Einspeisetarif sowie für größere Anlagen über die Innovationsausschreibung.

Zweitens hat die Bundesnetzagentur seit der Innovationsausschreibung 2023 erstmals Agri-PV-Anlagen mit erfolgreichem Zuschlag dokumentiert. Die durchschnittliche Vergütung lag bei rund 9 Cent/kWh, deutlich über der konventionellen Freiflächen-Solar-Vergütung von etwa 5,5 Cent/kWh.

Drittens definiert DIN SPEC 91434 (zweite Ausgabe März 2024) verbindliche technische Standards: Mindesthöhe der Module (2,1 m für Beweidung, 4,5 m für Ackerbau), maximale Bodendeckung (50 Prozent), Mindest-Reihenabstand, Vorgaben zur fortgeführten landwirtschaftlichen Nutzung. Erst diese Normung machte die Beleihbarkeit und Versicherbarkeit von Agri-PV-Projekten machbar.

Beschattungstoleranz deutscher Kulturen

Aus fünf Saisons APV-RESOLA-Daten am Bodensee und parallelen Versuchen an der Universität Hohenheim, der LfL Bayern und der LWK NRW:

Schattenverträglich (unter 15 Prozent Ertragsverlust bei 35 Prozent Modulbedeckung):

  • Beerenobst — Erdbeeren, Heidelbeeren, Himbeeren, Johannisbeeren, Stachelbeeren
  • Kernobst — Apfel, Birne, Zwetschge unter geeigneter Bauhöhe
  • Salatkulturen — Kopfsalat, Rucola, Mangold, Spinat
  • Kräuter — Petersilie, Schnittlauch, Koriander, Basilikum
  • Wein bei Hitzestress-Standorten (Rheinhessen, Pfalz)

Mittel (15–30 Prozent Ertragsverlust bei 35 Prozent Modulbedeckung):

  • Kartoffeln (besonders festkochende Sommer-Sorten)
  • Sellerie, Möhren, Pastinaken
  • Kohl — Brokkoli, Blumenkohl, Weißkohl, Rosenkohl
  • Klee-Gras und Luzerne für Heugewinnung
  • Schafbeweidung

Empfindlich (30–55 Prozent Ertragsverlust bei 35 Prozent Modulbedeckung):

  • Winterweizen, Sommerweizen, Gerste, Hafer
  • Raps und Senf
  • Mais (Silage und Körner)
  • Sonnenblumen
  • Zuckerrüben

Für die meisten süddeutschen Höfe ist eine 30–40-prozentige Bodendeckung mit Kartoffel-, Sellerie- oder Beerenkultur die wirtschaftlichste Lösung. Getreide unter Agri-PV rechnet sich selten — die Marge ist zu klein, der Schattenverlust zu groß.

Rechenbeispiel — 5 Hektar Beerenobst in Baden-Württemberg

Eine 5-Hektar-Fläche, südlich exponiert, 3,1 Sonnenstunden pro Tag, 80 Prozent Wirkungsgrad, 10,5 Cent/kWh EEG-Vergütung als besondere Solaranlage, 35 Prozent Bodendeckung, schattenverträglicher Kulturtyp (Heidelbeeren), 12.000 Euro pro Hektar Basis-Bruttoertrag.

  • Installierte PV: 5 × 617 × 0,35 ≈ 1.080 kW
  • Jahresertrag: 1.080 × 3,1 × 365 × 0,80 = 978.000 kWh
  • PV-Erlös: 978.000 × 0,105 = 102.700 Euro pro Jahr
  • Ernteerhalt schattenverträglich × 35%: 1 − 0,15 × 0,35 = 95 Prozent
  • Kulturerlös: 5 × 12.000 × 0,95 = 57.000 Euro pro Jahr
  • Gesamterlös: rund 160.000 Euro pro Jahr, etwa 32.000 Euro pro Hektar
  • Land-Äquivalenz-Verhältnis: 1,0 + 0,95 = 1,95

Im Vergleich zum Einzelnutzungs-Basiserlös von 5 × 12.000 = 60.000 Euro pro Jahr nur für Beerenobst, fängt die Doppelnutzung etwa das 2,7-fache des Hektarertrags ein. Nach Abschreibung einer Investition von rund 1,5 Mio. Euro über 25 Jahre zu 5 Prozent (etwa 105.000 Euro pro Jahr) plus jährliche Betriebskosten von 12.000 Euro liegt das jährliche Netto-Betriebsergebnis bei rund 43.000 Euro über dem reinen Beerenobst-Modell.

Häufige Fehler bei der Agri-PV-Planung

  • Unterschreitung der DIN SPEC 91434-Mindesthöhe. Acker-Agri-PV verlangt 4,5 m lichte Höhe für die Erntetechnik. Bei Beweidung reichen 2,1 m. Falsche Bauhöhe disqualifiziert die EEG-Förderung.
  • Zu hohe Bodendeckung. Über 50 Prozent gilt nicht mehr als Agri-PV, sondern als Freiflächen-PV mit niedrigerer Vergütung. Bei 45–48 Prozent halten Sie den Puffer.
  • Fehlende Fortführung der landwirtschaftlichen Nutzung. Die EEG-Vergütung verlangt eine dokumentierte landwirtschaftliche Bewirtschaftung über die gesamte Förderdauer. Ein leerer Acker unter den Modulen führt zur Rückforderung.
  • Vernachlässigung der Bewässerung. Tropfbewässerung muss um die Stützpfeiler herumgeplant werden; Beregnung ist bei den meisten Agri-PV-Layouts inkompatibel.
  • Übersehene Bodengütezahl. Flächen mit Bodengütezahl über 50 (gute Ackerböden) werden in einigen Bundesländern (Bayern, Baden-Württemberg) restriktiver behandelt. Vor Investitionsentscheidung mit dem zuständigen Amt für Landwirtschaft sprechen.

Förderstacking in Deutschland

Beispiel-Projekt 1,08 MW Beerenobst Baden-Württemberg 2026:

  • EEG-Einspeisetarif besondere Solaranlagen (10,5 Cent/kWh × 20 Jahre): rund 2.050.000 Euro über die Laufzeit
  • KfW-Programm 270 Erneuerbare Energien Standard (Tilgungszuschuss bis 20 Prozent): bis 300.000 Euro
  • Landesförderung Baden-Württemberg Agri-PV-Pilotprogramm: bis 30 Prozent der Mehrkosten gegenüber Freiflächen-PV
  • Eigenverbrauchs-Befreiung von EEG-Umlage seit 2023
  • Steuerliche Sonderabschreibungen nach EStG § 7g für land- und forstwirtschaftliche Betriebe

Die Kombination dieser Förderwege reduziert die Netto-Investitionskosten je nach Standort und Antragsstrategie auf etwa 1.000–1.200 Euro pro kW installierter Leistung. Vor Investitionsentscheidung sollten Sie einen auf Erneuerbare Energien spezialisierten Steuerberater einbinden — die Stacking-Regeln sind komplex.

Quellen

Häufig gestellte Fragen

Was ist Agri-PV?
Agri-Photovoltaik bezeichnet die gleichzeitige Nutzung derselben Fläche für Photovoltaik-Stromerzeugung und landwirtschaftliche Produktion. Die Module werden meist 4–5 Meter über dem Boden auf Pfostenkonstruktionen montiert, sodass Traktoren und Erntemaschinen darunter arbeiten können. Bei Kombination mit Beweidung sind 2,2–2,5 Meter Bauhöhe üblich. Das Fraunhofer ISE betreibt seit 2016 das APV-RESOLA-Pilotprojekt am Bodensee und veröffentlicht jährlich Ertragsdaten für Kartoffeln, Sellerie, Weizen und Klee-Gras. Seit Inkrafttreten des EEG-Solarpakets 1 im Mai 2024 ist Agri-PV in Deutschland förderfähig.
Wie viel Strom liefert eine Agri-PV-Anlage pro Hektar?
Bei einer Bodenbedeckung von 30 Prozent — dem typischen Wert für Acker-Agri-PV — liefert eine Süd-ausgerichtete Festanlage etwa 185 kW installierte Leistung pro Hektar. In einem Standort mit 2,8–3,0 Sonnenstunden pro Tag (typisch Bayern, Baden-Württemberg, Hessen) ergibt das jährlich rund 145.000–160.000 kWh pro Hektar, wertmäßig etwa 11.000–14.000 Euro bei einer Marktwert-Vergütung von 8 Cent/kWh. Bei 50 Prozent Bedeckung verdoppelt sich die Leistung, gleichzeitig steigt der Ernteverlust durch Beschattung deutlich.
Welche Kulturen eignen sich unter Agri-PV-Modulen?
Das Fraunhofer-ISE-Heggelbach-Projekt hat über fünf Saisons hinweg gemessen: Kartoffeln, Sellerie, Winterweizen und Klee-Gras tolerieren 30 Prozent Bodendeckung mit weniger als 15 Prozent Ertragsverlust. Beerenobst (Erdbeeren, Heidelbeeren, Himbeeren), Apfel, Birne und Weinrebe profitieren teilweise sogar von der reduzierten Sonnenintensität, besonders in heißen Sommern. Salatkulturen, Kräuter und Gemüsekohl gedeihen gut. Empfindlich sind Mais, Sonnenblumen, Sorghum und Zuckerrüben — diese verlieren 30–50 Prozent Ertrag bei 35 Prozent Modulbedeckung.
Was ist das Land-Äquivalenz-Verhältnis bei Agri-PV?
Das Land-Äquivalenz-Verhältnis (LER, englisch: Land Equivalent Ratio) vergleicht die Gesamtproduktion eines Doppelnutzungs-Hektars mit der Fläche, die für getrennte Einzelnutzung nötig wäre. Dupraz et al. 2011 berechneten LER-Werte von 1,35–1,73 für französische Weizen-PV-Versuche. Das Fraunhofer-ISE-Heggelbach-Projekt misst LER zwischen 1,6 und 1,86 für die genannten vier Kulturen. Werte über 1,0 bedeuten, dass die Doppelnutzungsfläche mehr produziert als die Aufteilung auf zwei getrennte Flächen. Das EEG-Solarpaket 1 (Mai 2024) verlangt für Agri-PV-Förderung einen LER über 1,2.
Ist Agri-PV in Deutschland förderfähig?
Ja. Seit dem EEG 2023 und dem Solarpaket 1 von Mai 2024 ist Agri-PV im Bundesfachprogramm für besondere Solaranlagen explizit förderfähig. Die EEG-Innovationsausschreibung gilt für Anlagen ab 1 MW und vergütet aktuell etwa 9 Cent/kWh über 20 Jahre. Kleinere Anlagen (bis 1 MW) können den EEG-Einspeisetarif für besondere Solaranlagen nutzen (8,3–10,5 Cent/kWh je nach Größenklasse). Wichtig: Die DIN-Norm SPEC 91434 definiert die technischen Anforderungen — Mindesthöhe, lichter Reihenabstand, Bodendeckungsgrad, fortgeführte landwirtschaftliche Nutzung. Die EEG-Förderung setzt diese DIN-Norm voraus.

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