Agri-PV-Ertragsrechner
Kombinierter Ertrag aus PV-Anlage und Kultur auf einer Fläche berechnen. Kostenloser Rechner mit Fraunhofer ISE-Daten und Land-Äquivalenz-Verhältnis.
Agri-PV-Ertragsrechner
So nutzen Sie den Rechner
Geben Sie sieben Werte ein. Der Rechner liefert die installierte PV-Leistung, den Jahresertrag in kWh, den PV-Erlös, den prozentualen Ernteerhalt, den Kulturerlös, den Gesamterlös pro Hektar und das Land-Äquivalenz-Verhältnis:
- Fläche (Hektar) — nur die für Doppelnutzung vorgesehene Fläche, nicht der gesamte Betrieb.
- Bodendeckungsgrad (%) — Anteil der Fläche, die von Modulen überdeckt ist. Typisch für Agri-PV: 25–45 Prozent; klassische Freiflächenanlage: 60–80 Prozent.
- Sonnenstunden pro Tag — regionaler Jahresdurchschnitt. Hamburg 2,6; Berlin 2,8; München 3,0; Freiburg 3,1.
- Systemwirkungsgrad (%) — Derate-Faktor. Standardwert nach VDE-AR-N 4105: 80 Prozent.
- Strompreis (€/kWh) — für Eigenverbrauch der Haushaltstarif (etwa 35 Cent); für Einspeisung der EEG-Tarif (8,3–10,5 Cent für besondere Solaranlagen).
- Kulturtyp — schattenverträglich (Salat, Beeren, Kräuter), mittel (Kartoffeln, Sellerie, Weidegras), empfindlich (Weizen, Mais, Sonnenblume).
- Basis-Kulturerlös (€/ha) — Bruttoertrag der Fläche vor Installation der Agri-PV. Daten aus dem Statistischen Jahrbuch über Ernährung, Landwirtschaft und Forsten oder aus der Landwirtschaftlichen Buchführung sind belastbare Ausgangswerte.
Die Berechnung kombiniert PV-Physik aus ersten Prinzipien mit empirisch ermittelten Beschattungs-Toleranzkurven aus dem Fraunhofer-ISE-APV-RESOLA-Datensatz.
Warum Agri-PV in Deutschland jetzt aufholt
Bis 2022 war Agri-PV in Deutschland eine Forschungsfrage. Drei Entwicklungen haben das geändert.
Erstens hat das EEG 2023 die Sonderkategorie besondere Solaranlagen eingeführt, in der Agri-PV explizit förderfähig ist. Das Solarpaket 1 vom Mai 2024 erweiterte das Bundesfachprogramm und brachte erstmals einen verbindlichen Förderpfad für Anlagen bis 1 MW unter dem festen EEG-Einspeisetarif sowie für größere Anlagen über die Innovationsausschreibung.
Zweitens hat die Bundesnetzagentur seit der Innovationsausschreibung 2023 erstmals Agri-PV-Anlagen mit erfolgreichem Zuschlag dokumentiert. Die durchschnittliche Vergütung lag bei rund 9 Cent/kWh, deutlich über der konventionellen Freiflächen-Solar-Vergütung von etwa 5,5 Cent/kWh.
Drittens definiert DIN SPEC 91434 (zweite Ausgabe März 2024) verbindliche technische Standards: Mindesthöhe der Module (2,1 m für Beweidung, 4,5 m für Ackerbau), maximale Bodendeckung (50 Prozent), Mindest-Reihenabstand, Vorgaben zur fortgeführten landwirtschaftlichen Nutzung. Erst diese Normung machte die Beleihbarkeit und Versicherbarkeit von Agri-PV-Projekten machbar.
Beschattungstoleranz deutscher Kulturen
Aus fünf Saisons APV-RESOLA-Daten am Bodensee und parallelen Versuchen an der Universität Hohenheim, der LfL Bayern und der LWK NRW:
Schattenverträglich (unter 15 Prozent Ertragsverlust bei 35 Prozent Modulbedeckung):
- Beerenobst — Erdbeeren, Heidelbeeren, Himbeeren, Johannisbeeren, Stachelbeeren
- Kernobst — Apfel, Birne, Zwetschge unter geeigneter Bauhöhe
- Salatkulturen — Kopfsalat, Rucola, Mangold, Spinat
- Kräuter — Petersilie, Schnittlauch, Koriander, Basilikum
- Wein bei Hitzestress-Standorten (Rheinhessen, Pfalz)
Mittel (15–30 Prozent Ertragsverlust bei 35 Prozent Modulbedeckung):
- Kartoffeln (besonders festkochende Sommer-Sorten)
- Sellerie, Möhren, Pastinaken
- Kohl — Brokkoli, Blumenkohl, Weißkohl, Rosenkohl
- Klee-Gras und Luzerne für Heugewinnung
- Schafbeweidung
Empfindlich (30–55 Prozent Ertragsverlust bei 35 Prozent Modulbedeckung):
- Winterweizen, Sommerweizen, Gerste, Hafer
- Raps und Senf
- Mais (Silage und Körner)
- Sonnenblumen
- Zuckerrüben
Für die meisten süddeutschen Höfe ist eine 30–40-prozentige Bodendeckung mit Kartoffel-, Sellerie- oder Beerenkultur die wirtschaftlichste Lösung. Getreide unter Agri-PV rechnet sich selten — die Marge ist zu klein, der Schattenverlust zu groß.
Rechenbeispiel — 5 Hektar Beerenobst in Baden-Württemberg
Eine 5-Hektar-Fläche, südlich exponiert, 3,1 Sonnenstunden pro Tag, 80 Prozent Wirkungsgrad, 10,5 Cent/kWh EEG-Vergütung als besondere Solaranlage, 35 Prozent Bodendeckung, schattenverträglicher Kulturtyp (Heidelbeeren), 12.000 Euro pro Hektar Basis-Bruttoertrag.
- Installierte PV: 5 × 617 × 0,35 ≈ 1.080 kW
- Jahresertrag: 1.080 × 3,1 × 365 × 0,80 = 978.000 kWh
- PV-Erlös: 978.000 × 0,105 = 102.700 Euro pro Jahr
- Ernteerhalt schattenverträglich × 35%: 1 − 0,15 × 0,35 = 95 Prozent
- Kulturerlös: 5 × 12.000 × 0,95 = 57.000 Euro pro Jahr
- Gesamterlös: rund 160.000 Euro pro Jahr, etwa 32.000 Euro pro Hektar
- Land-Äquivalenz-Verhältnis: 1,0 + 0,95 = 1,95
Im Vergleich zum Einzelnutzungs-Basiserlös von 5 × 12.000 = 60.000 Euro pro Jahr nur für Beerenobst, fängt die Doppelnutzung etwa das 2,7-fache des Hektarertrags ein. Nach Abschreibung einer Investition von rund 1,5 Mio. Euro über 25 Jahre zu 5 Prozent (etwa 105.000 Euro pro Jahr) plus jährliche Betriebskosten von 12.000 Euro liegt das jährliche Netto-Betriebsergebnis bei rund 43.000 Euro über dem reinen Beerenobst-Modell.
Häufige Fehler bei der Agri-PV-Planung
- Unterschreitung der DIN SPEC 91434-Mindesthöhe. Acker-Agri-PV verlangt 4,5 m lichte Höhe für die Erntetechnik. Bei Beweidung reichen 2,1 m. Falsche Bauhöhe disqualifiziert die EEG-Förderung.
- Zu hohe Bodendeckung. Über 50 Prozent gilt nicht mehr als Agri-PV, sondern als Freiflächen-PV mit niedrigerer Vergütung. Bei 45–48 Prozent halten Sie den Puffer.
- Fehlende Fortführung der landwirtschaftlichen Nutzung. Die EEG-Vergütung verlangt eine dokumentierte landwirtschaftliche Bewirtschaftung über die gesamte Förderdauer. Ein leerer Acker unter den Modulen führt zur Rückforderung.
- Vernachlässigung der Bewässerung. Tropfbewässerung muss um die Stützpfeiler herumgeplant werden; Beregnung ist bei den meisten Agri-PV-Layouts inkompatibel.
- Übersehene Bodengütezahl. Flächen mit Bodengütezahl über 50 (gute Ackerböden) werden in einigen Bundesländern (Bayern, Baden-Württemberg) restriktiver behandelt. Vor Investitionsentscheidung mit dem zuständigen Amt für Landwirtschaft sprechen.
Förderstacking in Deutschland
Beispiel-Projekt 1,08 MW Beerenobst Baden-Württemberg 2026:
- EEG-Einspeisetarif besondere Solaranlagen (10,5 Cent/kWh × 20 Jahre): rund 2.050.000 Euro über die Laufzeit
- KfW-Programm 270 Erneuerbare Energien Standard (Tilgungszuschuss bis 20 Prozent): bis 300.000 Euro
- Landesförderung Baden-Württemberg Agri-PV-Pilotprogramm: bis 30 Prozent der Mehrkosten gegenüber Freiflächen-PV
- Eigenverbrauchs-Befreiung von EEG-Umlage seit 2023
- Steuerliche Sonderabschreibungen nach EStG § 7g für land- und forstwirtschaftliche Betriebe
Die Kombination dieser Förderwege reduziert die Netto-Investitionskosten je nach Standort und Antragsstrategie auf etwa 1.000–1.200 Euro pro kW installierter Leistung. Vor Investitionsentscheidung sollten Sie einen auf Erneuerbare Energien spezialisierten Steuerberater einbinden — die Stacking-Regeln sind komplex.
Quellen
- Fraunhofer ISE — APV-RESOLA Heggelbach — Deutscher Pilotstandort und mehrjährige Ertragsdaten
- Bundesnetzagentur — Ausschreibungsergebnisse Innovationsausschreibung — historische Zuschlagswerte für Agri-PV
- Verbraucherzentrale — Photovoltaik auf Agrarflächen — Verbraucher-orientierte Information
- Bundesverband Solarwirtschaft (BSW Solar) — Marktdaten und Branchen-Statistiken
- DIN SPEC 91434 — Agri-Photovoltaik Anlagen — verbindliche technische Norm
- Check24 Solar — Anbietervergleich — Marktpreis-Übersicht für Großanlagen
- Solarpaket 1 — Gesetzestext — aktueller Förderrahmen seit Mai 2024