Laderegler-Auslegungsrechner
PWM oder MPPT Laderegler für Inselanlagen auslegen. VDE-AR-N 4105 / DIN VDE 0100-712 Sicherheitsfaktoren, 12 V / 24 V / 48 V Batterie, kostenlos.
Laderegler-Auslegungsrechner
Was dieser Rechner leistet
Ein Solar-Laderegler sitzt zwischen PV-Generator und Batterie und steuert, wie die Module die Zellen laden — sodass die Batterie weder überladen wird noch leerläuft. Die falsche Größe — zu klein und er überhitzt, zu groß und das Budget ist verschwendet — gehört zu den häufigsten Fehlern bei der Auslegung deutscher Inselanlagen, Gartenhäuser, Wochenendhütten und Campervan-Systemen.
Der Rechner nimmt Moduldaten (Isc, Voc, Pmax), das Array-Layout (Parallel-Strings × Module pro String) und die Batteriespannung und gibt die benötigte Stromstärke für PWM- und MPPT-Regler aus. Außerdem berechnet er die Array-Leerlaufspannung, damit Sie die PV-Eingangsgrenze des Reglers prüfen können.
PWM vs MPPT — die Auslegungsmathematik unterscheidet sich
PWM-Regler leiten den Array-Strom direkt zur Batterie. Die benötigte Stromstärke entspricht Array-Isc mit dem 1,25-Faktor nach DIN VDE 0100-712:
PWM Ampere = (Parallel-Strings × Isc pro Modul) × 1,25
Eine 2P3S-Anlage mit 420-W-Modulen und Isc 13,8 A erzeugt 27,6 A Kurzschluss. PWM-Auslegung = 27,6 × 1,25 = 34,5 A → 40-A-PWM-Regler. Da PWM die Module bei Batteriespannung statt Vmp betreibt, erreichen nur etwa 75 Prozent der Nennleistung die Batterie. Eine 2520-W-Anlage an 48 V via PWM liefert rund 38 A × 48 V = 1824 W an die Bank — 696 W gehen als Wärme verloren.
MPPT-Regler wandeln die Array-Spannung mit 95 bis 97 Prozent Wirkungsgrad auf Batteriespannung:
MPPT Ampere = (Array Pmax × 0,95 × Leitungs-η) ÷ Batterie V × 1,25
Für dieselbe 2520-W-Anlage an 48 V mit 5 Prozent Leitungsverlust:
- (2520 × 0,95 × 0,95) ÷ 48 × 1,25 ≈ 59,2 A → 60-A-MPPT-Regler
An 24 V benötigt dasselbe Array 118 A → 120-A-Regler. An 12 V wären es 237 A — nicht praktikabel. Deshalb läuft alles über 1,5 kW in deutscher Inselpraxis auf 48 V.
Wie DIN VDE 0100-712 und VDE-AR-N 4105 anzuwenden sind
DIN VDE 0100-712 (Elektrische Anlagen — Solar-Photovoltaik-Versorgungssysteme) regelt die Array-Seite; VDE-AR-N 4105 die Netzkopplung (nicht relevant für reine Inselanlagen, aber relevant für Hybrid-Systeme). Wichtigste Klauseln für die Reglerauslegung:
- 1,25-Faktor auf alle PV-stromführenden Geräte (entspricht IEC 60364-7-712).
- Kälte-Voc-Korrektur für Wechselrichter- und Regler-Eingangsspannung, basierend auf der niedrigsten zu erwartenden Außentemperatur (DWD-Klimadaten).
- Strangschutz für Anlagen mit mehreren parallelen Strängen.
Übliche in Deutschland verfügbare Regler (Victron, EPEVER, Steca, Offgridtec, Phocos) geben einen Dauerstrom bei 25 °C an. Der 1,25-Faktor auf Quell-Stromkreis-Isc hält den Regler an heißesten Sommertagen unter den thermischen Grenzen.
Standard-Reglergrößen in Deutschland
Solar-Laderegler werden in festen Stromstärken angeboten. Bei Offgridtec, Solaranlagen-Shop, Bimble Solar Deutschland und Memodo gängig:
- 10 A, 15 A, 20 A — Wohnmobile, Gartenlauben, kleine Cabins unter 400 W
- 30 A, 40 A — mittlere DIY-Inselanlagen, 400 bis 1600 W an 24 V oder 48 V
- 50 A, 60 A — Mainstream-MPPT (Victron SmartSolar 150/60, EPEVER 6420AN, Steca PR 3030)
- 80 A, 100 A — große 48-V-Anlagen (Victron 250/85, Outback FLEXmax 80)
- 150 A und Dual-Tracker-Geräte — Selbstversorger-Wohnanlagen
PV-Eingangsspannungsgrenze — die entscheidende Spezifikation
Jeder MPPT-Regler hat eine maximale PV-Leerlaufspannung. Übliche Werte:
- Victron SmartSolar 75/15 → 75 V Voc max
- Victron 100/50 → 100 V
- Victron 150/60 → 150 V
- Victron 250/85 → 250 V
- EPEVER Tracer 6420AN → 150 V
Array-Voc = Module in Serie × Modul-Voc. Vier 42-V-Voc-Module in Serie ergeben 168 V bei STC und rund 188 V bei -14 °C in einem norddeutschen Wintermorgen. Passt in einen 250-V-Regler, zerstört einen 150-V-Regler. Wenn 4 in Serie Ihr einziges sinnvolles Layout sind, müssen Sie die 250-V-Klasse spezifizieren.
Batteriespannung — wann aufrüsten
Höhere Batteriespannung bedeutet niedrigeren Strom bei gleicher Leistung, dünnere Kabel, kleinere Sicherungen. Deutsche Inselanlagen-Faustregel:
- Unter 600 W Anlage: 12-V-Bank, PWM akzeptabel
- 600 bis 1200 W: 24-V-Bank, MPPT
- 1200 bis 3000 W: 48-V-Bank, MPPT
- Über 3000 W: 48-V-Bank mit zwei parallelen MPPT-Reglern
Die Verbraucherzentrale beziffert 2024 eine typische 4-kW-Inselanlage in ländlichem Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern oder Bayern auf 18.000 bis 32.000 Euro, davon 700 bis 1.800 Euro Reglerkosten. Der Wechsel von 24 V auf 48 V auf derselben Anlage spart rund 400 bis 900 Euro an Verkabelung, Sicherungen und Trennschaltern.
Häufige Auslegungsfehler
- Auslegung nach Wattzahl allein, ohne Batteriespannung. 1000 W brauchen 60 A bei 12 V, 30 A bei 24 V, 20 A bei 48 V.
- Den 1,25-VDE-Faktor weglassen. Auslegung exakt auf Isc führt zu thermischen Abschaltungen an heißen Tagen.
- Den Kälte-Voc-Check vergessen. Ein 150-V-Regler mit einem 144-V-STC-Array fällt am ersten Frostmorgen aus.
- PWM mit Hoch-Vmp-Modulen kombinieren. Ein 60-V-Voc-Modul an 12-V-Bank via PWM wirft den Großteil der Energie weg.
- Einen Riesenregler kaufen, wenn zwei kleinere günstiger sind. Zwei 60-A-Geräte parallel kosten bei deutschen Lieferanten oft weniger als ein 100-A-Gerät und bieten Redundanz.
Werkzeuge zur Ergänzung der Reglerauslegung
- Der Batteriebank-Größenrechner ermittelt die benötigten Amperestunden bei der gewählten Bankspannung.
- Der Inselanlagen-Rechner bündelt Array-, Batterie- und Reglerauslegung in einer Autonomie-Berechnung.
- Der Solarkabel-Querschnittsrechner dimensioniert DC-Leiter nach DIN VDE 0100-520.
Quellen
- DIN VDE 0100-712 — Solar-Photovoltaik-Versorgungssysteme — Errichtungsbestimmungen
- Bundesnetzagentur — Mieterstrom und Eigenversorgung — regulatorischer Rahmen
- Verbraucherzentrale — Inselanlagen-Ratgeber — aktuelle Kostendaten
- Solarwirtschaft (BSW Solar) — Off-Grid-Marktbericht — Branchenstatistik
- Offgridtec — Laderegler-Kaufberatung — aktuelle deutsche Preise