Solar-Bewässerungsrechner
Solar-Bewässerung dimensionieren mit Verdunstungs- und Klimadaten von DWD, Kulturkoeffizienten nach FAO 56 und Vorgaben nach VDE-AR-N 4105.
Solar-Bewässerungsrechner
So nutzen Sie diesen Rechner
Geben Sie acht Werte ein, und der Rechner liefert den täglichen Wasserbedarf, die hydraulische und elektrische Energie, die empfohlene PV-Leistung in Wp, die Modulanzahl bei Ihrer gewählten Modulleistung, die Pumpen-Betriebsleistung und die mittlere Förderleistung während der Sonnenstunden.
- Feldfläche (Hektar) — tatsächlich bewässerte Fläche. Bei Obstanlagen die Kronenprojektionsfläche; bei Reihenkulturen die Bedfläche.
- Pflanzen-ETc (mm/Tag) — Spitzenwerte: Kartoffeln 4,6, Mais 4,8, Erdbeeren 4,0, Spargel 3,8, Apfel 4,2, Wein 2,8, Gewächshaustomaten 4,5. DWD ET₀ × Kc aus LWK-Empfehlung.
- Bewässerungseffizienz (%) — 90% Tropf, 85% Mikrosprinkler, 80% Sprinkler, 70% Beregnungsmaschine.
- Gesamtförderhöhe (m) — Pumpwasserstand im Brunnen plus Reibungsverlust plus Emitterdruck (Tropf 7–14 m, Sprinkler 28–55 m).
- Sonnenstunden pro Tag — DWD-Strahlungsdaten oder PVGIS (JRC EU). Typische deutsche Werte: München 3,1, Stuttgart 3,0, Frankfurt 2,9, Köln 2,7, Hamburg 2,5, Berlin 2,8, Leipzig 2,9, Freiburg 3,3.
- Pumpen-Gesamtwirkungsgrad (%) — 45% Standard für Lorentz PS2 oder Grundfos SQFlex Tauchpumpen ohne Herstellerkennlinie.
- System-Derating (%) — Regler, Verkabelung, Verschmutzung. 85% ist der konservative Standard.
- Modulleistung (W) — 400 W deutscher Standard 2026; 540 W bifaziale Module dominieren Freiflächenanlagen.
Funktionsweise der Solar-Bewässerung in Deutschland
Eine Solar-Bewässerungsanlage besteht aus PV-Generator, MPPT-Pumpensteuerung, DC-Pumpe und Bewässerungsnetz mit Filtration, Hauptleitung, Verteilern, Lateralen und Emittern oder Sprinklern. Die VDE-AR-N 4105 regelt netzparallele PV-Anlagen, betrifft jedoch nur ans Niederspannungsnetz gekoppelte Solar-Pumpsysteme — die meisten Anlagen sind reine Inselsysteme ohne Netzbezug.
Deutsche Betriebe puffern üblicherweise mit einem 5.000–20.000 l PE-Tank auf 3–6 m Höhe, wobei die Pumpe tagsüber den Tank füllt und die Bewässerung per Schwerkraft mit konstantem Emitterdruck läuft. Dies entkoppelt Pumpenbetrieb von Bewässerungsplan und ermöglicht morgendliche oder abendliche Sätze, wenn die Verdunstung am niedrigsten ist.
Grundwasserentnahmen über 5.000 m³/Jahr sind nach Wasserhaushaltsgesetz (WHG) genehmigungspflichtig; darunter genügt die Erlaubnis nach Landeswassergesetz. Solar-Pumpen ändern die Genehmigung nicht, werden aber von vielen Landesförderprogrammen bevorzugt, weil sie fossile Energie ersetzen.
Physik aus ersten Prinzipien
Täglicher Wasserbedarf aus ETc und Effizienz:
V_L_Tag = ETc_mm × Fläche_m² / Effizienz_Anteil
V_m3_Tag = V_L_Tag / 1000
ETc in mm/Tag mal Fläche in m² ergibt direkt Liter/Tag (1 mm × 1 m² = 1 L).
Hydraulische Energie zur Förderung gegen die Gesamtförderhöhe:
E_hyd_Wh = 1000 × 9,81 × V_m3 × H_m / 3600 ≈ V_m3 × H_m × 2,725
Elektrische Eingangsleistung über Pumpen- und Systemverluste:
E_elek_Wh = E_hyd_Wh / (η_Pumpe × η_System)
PV_Wp = E_elek_Wh / Sonnenstunden
Rechenbeispiel — 1 ha Erdbeeren, Pfalz
- Fläche = 10.000 m², ETc = 4,0 mm/Tag, Tropf-Effizienz 80%
- V = 4,0 × 10.000 / 0,80 = 50.000 L/Tag = 50,0 m³
- TDH = 25 m (15 m Brunnen-Pumpwasserstand + 3 m Filtration + 7 m Emitterdruck)
- E_hyd = 50,0 × 25 × 2,725 = 3.406 Wh/Tag
- Pumpen-η 45%, System-η 85%: E_elek = 3.406 / (0,45 × 0,85) = 8.905 Wh/Tag
- Sonnenstunden 2,9: PV = 8.905 / 2,9 = 3.071 Wp → acht 400-W-Module (3.200 Wp, 4% Reserve)
Das LfL Bayern und die LWK Niedersachsen empfehlen 25–40% PV-Überdimensionierung gegenüber dem Sommermittel. Die Beispielanlage auf Sommermittel ausgelegt braucht weitere 25%, also etwa 4.000 Wp (zehn 400-W-Module).
Bewässerungseffizienz nach Methode
| Methode | Verteilungseffizienz | Erforderlicher Druck |
|---|---|---|
| Unterflur-Tropf | 88–95% | 10–14 m |
| Oberflächen-Tropf | 85–92% | 10–14 m |
| Mikrosprinkler | 80–88% | 14–21 m |
| Stationärer Sprinkler | 75–85% | 28–55 m |
| Beregnungsmaschine | 60–70% | 50–70 m |
| Furchen-/Flutbewässerung | 50–70% | 5–15 m |
Bei Solarpumpen, deren PV-Kosten mit der Pumpenleistung skalieren, ist Tropfbewässerung die richtige Wahl für die meisten deutschen Sonderkulturen. Erdbeer-, Spargel- und Apfelbetriebe nutzen mittlerweile fast ausschließlich Tropf- und Mikrosprinklertechnik.
DWD-Klimadaten und Saisonplanung
Die Deutsche Spitzen-Sommer-ETc liegt bei 4–5 mm/Tag im Süden, 3,5–4,5 mm/Tag im Norden. Aktive Bewässerungssaison Mai bis September für Freiland, Februar bis November für Gewächshäuser. Drei Planungsrealitäten prägen die Solar-Dimensionierung:
- Schlechtester-Monat-Sonnenstunden sind die Auslegungsgrenze für ganzjährige Kulturen. Dezember-Sonnenstunden in Hamburg betragen 0,4; auch mit fünffach dimensioniertem Generator funktioniert solar-direktes Pumpen im Winter nicht. Ganzjährige Anlagen brauchen Netz-Backup.
- Freilandkulturen sind sommer-koinzident. ETc-Spitzen Juni/Juli, gleichzeitig PV-Höchstertrag — solar-direkt funktioniert ideal für Kartoffeln, Erdbeeren, Spargel, Salat, Apfel.
- Variable Sommerbewölkung ist das Betriebsproblem. 20% PV-Überdimensionierung plus 2-Tage-Puffertank deckt deutsche Wetterunbeständigkeit ab; ohne diese Reserve taktet die Pumpe 200+ Mal täglich und halbiert ihre Lebensdauer.
Deutsche Förderprogramme
- Agrarinvestitionsförderungsprogramm (AFP) — länderspezifische Investitionsförderung über GAK/GAP-ELER mit 30–40% Zuschuss für Solar-Bewässerung.
- Landesprogramme — LfL Bayern Investitionsförderung, LWK Niedersachsen Innovationsförderung, MULNV NRW Modellprojekte. Wasserwirtschafts- und Klimaschutzprogramme decken Solar-Pumpentechnik je nach Bundesland mit unterschiedlichen Sätzen ab.
- Bundesförderung effiziente Wärme (BEW) — Solar-Bewässerung indirekt über Energieeffizienz-Bonus.
- KfW-Programme — KfW-Förderkredit 295 (Energie- und Ressourceneffizienz) für landwirtschaftliche Solar-Investitionen.
- EEG / Eigenverbrauch — Inselanlagen für Bewässerung benötigen keine EEG-Registrierung; bei Netzkopplung gilt VDE-AR-N 4105 und EEG-Vergütung.
Häufige deutsche Fehler
- ET₀ statt ETc verwenden. Vergessen des Kc unterdimensioniert um 15–25% bei aktiv wachsenden Kartoffeln und Mais, überdimensioniert um 30% bei Frühsaison-Wein.
- Brunnen-Ruhewasserstand verwenden. Die meisten norddeutschen Sandstein- und süddeutschen Karst-Aquifere zeigen 5–15 m Absenkung unter Bewässerungspumpen-Last. Pumpwasserstand aus dem Brunnenausbau-Protokoll verwenden.
- Auslegung auf Jahresmittel-Sonnenstunden. Das System ist im Mai und September 25% unterversorgt. Auf den ungünstigsten Monat der aktiven Bewässerungssaison auslegen.
- Filtrationsdruckverlust vergessen. Ein Sandfilter für Solar-Tropfbewässerung addiert 6–10 m Förderhöhe bei Auslegungsdurchfluss; Sieb-Filter 4–8 m. Brunnenwasser mit Karbonathärte braucht zusätzliche Behandlung mit weiteren 4–6 m.
Quellen
- Deutscher Wetterdienst (DWD) Agrarmeteorologie — tägliche ET₀ und Niederschlagsdaten
- Julius-Kühn-Institut — Pflanzenbau und Bewässerungs-Effizienzstudien
- LWK Niedersachsen Bewässerungsberatung — Kulturkoeffizienten und Verteilungsgleichmäßigkeit
- LfL Bayern Wasser und Bodenschutz — Solar-Pumpen-Feldstudien
- Verbraucherzentrale Bundesverband — Photovoltaik-Verbraucherinformationen
- Bundesnetzagentur — PV-Marktdaten und Netzanschluss
- FAO Bewässerungsschrift 56 — Referenz-ET-Methodik
- Lorentz Deutschland Auslegungsmanual — Solar-Pumpenkennlinien